Eine kurze Wintertour durch die Munții Trascăului

von Ronny Müller

Anfang Dezember packte mich wieder einmal das Rumänienfieber, sowie eine unbändige Lust auf eine winterliche Tour durch mein Lieblingsgebirge: Munții Trascăului! Ich fragte bei einigen Freunden an, ob sie nicht Lust hätten auf eine schnucklige Zelttour im Winter? Und bekam daraufhin nur Absagen und erntete Kopfschütteln! Im Frühjahr ja, da wäre man dabei! Aber im Winter? Nein danke! Aber zum Glück ist Alice ein Mädchen von der härteren Sorte und sagte sofort zu!
Los ging es mit dem Flieger von Frankfurt Hahn nach Timișoara. Besser wäre natürlich der Zielort Cluj gewesen, doch leider war alles ausgebucht, so dass nur der Flug in das Banat möglich war. Von Timișoara fuhren wir mit dem Zug über Arad nach Alba Iulia. Eine kleine Weltreise!
Wir nahmen Quartier in der Nähe des Bahnhofes, speisten noch zu Abend und fielen dann müde ins Bett! Der Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und eisiger Kälte. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einigen Einkäufen nahmen wir ein Taxi bis Craiva. Noch kurz ins Magazin Mixt auf ein Bier, dann ging es endlich los!
Es geht los!
Nach etwa einer Stunde erreichten wir das verlassene Dorf Craiva Veche. Wegen Erdrutschen nach Starkregen wurde das Dorf in den siebziger Jahren von den Bewohnern verlassen und einige Kilometer weiter unten im Tal neu aufgebaut. Wir fotografierten und setzten unseren Weg fort, unser Ziel war der Piatra Cravei.
Die alte Kirche von Craiva Veche
Der Friedhof des Dorfes
Am späten Nachmittag erreichten wir den Fuss des Gipfels und schlugen unser Zelt auf. Wir kochten Tee und genossen den Abend bei herrlicher Aussicht. Ein Blick auf das Thermometer zeigte -10 Grad! Hoffentlich halten die Schlafsäcke warm! Am nächsten Morgen war es noch kälter und Alice hatte in der Nacht doch etwas gefroren. Nach einem Kaffee ging es weiter zu unserem heutigen Ziel dem Piatra Bulzului.
Saukalt!
Unser Ziel der Piatra Bulzului ist gut zu erkennen
Ich hatte die Tagesetappen nicht so lang gewählt, da erstens das Vorwärtskommen im Schnee recht anstrengend ist und zweitens die Tage im Januar recht kurz sind! Die Wanderung war ein Genuss und das Wetter war fantastisch. Eine unglaubliche Stille umgab uns. Diese Ruhe, welche man so nur im Winter erleben kann. Am Tagesziel angekommen war das Zelt schnell aufgebaut. Das Teewasser kochte bereits, als sich ein Quad mit zwei Männern inklusive Gewehr näherte. Sie trauten ihren Augen und Ohren kaum als ich ihnen erzählte, dass wir mit dem Zelt unterwegs sind. Wir sollten doch mit ins Tal kommen, meinten sie. In ihrer Jagdhütte da wäre es schön warm und es gäbe reichlich zu Essen und zu Trinken. Wir lehnten dankend ab und aus Mitleid mit uns durften wir noch einen großen Schluck von ihrem Schnaps nehmen. Noroc!
Zeltplatz unterhalb des Piatra Bulzului
Ausblick auf den Piatra Cetii
Nachts wurde es nochmal deutlich kälter! Die Temperatur erreichte -17 Grad. Der Nachteil im Winter sind natürlich die langen Nächte, man kann einfach irgendwann nicht mehr so richtig liegen. Alice hatte wieder etwas gefroren und ich machte mir doch Sorgen. Wir packten zusammen und los ging es in Richtung Valea Galdei.
Piatra Bulzului
Abstieg ins Valea Galdei
Es lag recht viel Schnee und der Weg war nicht mehr zu sehen. Wir folgten einem gefrorenen Bach, eine Rutschpartie erster Sahne! Im Tal angekommen suchten wir unsere Markierung und liefen das Tal in Richtung Süden. Nach einigen Kilometern entdeckten wir auf der rechten Seite eine Cabana, die, wie uns schien, offen war. Wir beschlossen, kurz einzukehren, um eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Der freundliche Hüttenwirt empfing uns herzlich mit einer Țuică und nach einem ausgezeichneten Essen reifte der Gedanke, ob wir hier nicht unser Quartier aufschlagen sollten. Zur Entscheidung trug auch bei, dass Alice nachts im Zelt so gefroren hat. Und so war der Entschluss schnell gefasst.
Wir plauderten eine Weile mit dem Wirt und machten am Abend noch einen kleinen Spaziergang durch das Strassendorf Poiana Galdei, bei dem sich unsere Cabana befand. Nach einem ausgiebigen Frühstück wanderten wir zu dem sehr einsam gelegenen Dorf Tecșești. Unterwegs trafen wir keine Menschenseele und auch im Dorf selbst entdeckten wir nur zwei Bewohner die uns erklärten, dass die meisten Einwohner im Winter das Dorf verlassen und erst im Frühjahr zurückkehren. Außerdem kommt noch hinzu, dass viele der Jüngeren nicht mehr gewillt sind, die Unannehmlichkeiten der Abgeschiedenheit in Kauf zu nehmen und das Leben in der Stadt bevorzugen. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese abgelegenen Dörfer völlig verlassen sind. Bei Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder an unserer Unterkunft und nach einem leckeren Abendbrot fielen wir müde ins Bett.
Über dem Dorf Poiana Galdei
Dacia bei Tecșești
Einer der wenigen verbliebenen Bewohner von Tecșești
Tecșești
Verlassenes Haus bei Tecșești
Abendlicher Blick in das Valea Galdei
Am nächsten Morgen wollten wir eine Tour zum Piatra Cetii unternehmen. Bei herrlichem Sonnenschein und eiskalten Temperaturen brachen wir wohlgelaunt auf. Der Aufstieg führte uns durch einen herrlichen Wald, immer mit einer tollen Aussicht auf die umliegenden Berge. Nach etwa zwei Stunden waren wir am Fuße des Piatra Cetii angekommen und beschlossen, noch den selbigen zu besteigen. Leider waren die Felsen völlig vereist und damit sehr glatt. So kamen wir nur bis kurz unterhalb des Gipfels. Trotzdem war es die Mühe wert! Wir wurden mit einem unglaublichen Fernblick belohnt. Sogar die Kette der Südkarpaten war gut zu erkennen!
Piatra Cetii
Unterhalb des Piatra Cetii
Herrlicher Ausblick vom Piatra Cetii mit Blick auf Piatra Bulzului (Mitte) und Piatra Cravei (rechts). Im Hintergrund die Kette der Südkarpaten
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Am Fusse des Piatra Cetii
Im Valea Galdei, Blick auf den Piatra Bulzului
Bei Einbruch der Dämmerung erreichten wir unsere Unterkunft. Wir hatten einen Bärenhunger und nach einem leckeren Essen, einigen Țuicăs und einer netten Unterhaltung mit dem Chef, fielen wir müde wie immer in unser Bett. Am nächsten Morgen mussten wir leider Abschied nehmen, denn am darauf folgenden Tag ging unser Flieger in aller Frühe wieder zurück nach Deutschland. Der Hüttenwirt besorgte uns netterweise eine Mitfahrgelegenheit nach Alba Iulia. Wir besuchten dort noch den Weihnachtsmarkt und nach einigen leckeren Glühweinen ging es am späten Nachmittag zurück nach Timișoara, wo wir die Nacht auf den Flughafen verbrachten. Der Flug mit Wizz Air verlief wie immer problemlos und gegen Mittag waren wir wieder zu Hause.
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