Die Gründung von Franzdorf (heute Văliug)

ausgesucht von Richard Kreiling

Um die Beschaffung des wachsenden Holzkohlenbedarfs des Reschitzaer Eisenwerkes zu sichern, wurden 1790 die ärarischen Urwälder an den westlichen Semenikhängen dem Werke zur Verfügung gestellt. Es waren jedoch nicht genug fachkundige Waldarbeiter vorhanden; weshalb der aus Ischl stammende Franz Loidl, Waldbereiter („magister sylvarum“), von der Bergdirektion nach Oberösterreich und Steiermark entsendet wurde, um dort Arbeiter anzuwerben; diese sollten sodann im Semeniker Waldgebiet ein neues Dorf gründen. Loidl warb in kurzer Zeit 71 Familien.
gemalt von Linnea, 10 Jahre aus Rockau
Die Einwanderer machten die Reise zu Schiff auf der Donau. Von Palanka nahmen sie den Landweg über Werschetz gegen Reschitz. Von Reschitz nach Kuptoare führte zur Zeit ein schlechter Feldweg – dann war weiterhin wegloses Gelände. Über steile Bergrücken, bergauf, bergab, ohne Weg und Steg ging es der neuen Heimat entgegen. Noch lange Zeit hernach mußten Lebensmittel, Werkzeug und sonstige Gebrauchsartikel auf demselben Weg als Traglasten auf Menschen- und Tierrücken beigeschleppt werden.
gemalt von Mara, 11 Jahre aus Chemnitz
Am 29. Juni 1793 langten die Einwanderer an ihrem Bestimmungsorte an. Als sie den Urwald sahen, sank ihnen der Mut; sie weinten: „Da sollen wir unser Leben zubringen?“ Sie fanden mitten im Urwald eine größere begraste Blöße: Hier ließen sie sich nieder und verbrachten die Nacht im Freien. Es war der erste Ruheplatz in der neuen Heimat für die müden Wanderer, die viele Wochen lang auf der Reise gewesen waren. Auf dieser Waldblöße errichteten die bigotten Steirer zum Angedenken noch im selben Sommer ein kleines hölzernes Bethaus. Seit 1861 steht auf demselben Platze die deutsche Kirche. Es ist der Platz „Unter den Linden“.
Schon am folgenden Tage wurden zum vorläufigen Gebrauch Holzhütten errichtet, während der Waldbereiter Loidl das Ausmessen der Hausplätze besorgte. Nachdem die Hausplätze verteilt worden waren, begann ein mühevolles, rastloses Schaffen; galt es doch, bis zum Eintritt des Winters je mehr Häuser fertigzustellen und nebenbei auch noch das tägliche Brot zu verdienen. Die für die Herstellung der Blockhäuser notwendigen Rundhölzer wurden vorerst ausgeschnitten, der Rest der gefällten Stämme für Kohlholz aufgearbeitet und das unverwendbare Holz verbrannt.
Die aus dreiseitig behauenen Stämmen aufgeschrottenen Häuser wurden auf höhere Steinfundamente gesetzt, um die Feuchtigkeit von den Wohnräumen abzuhalten. Weihnachten 1793 war jeder erwachsene männliche Einwanderer Hausbesitzer im neugegründeten Franzdorf. Die abgeholzten Waldflächen wurden gerodet, und bis 1810 waren ungefähr tausend Joch nicht mehr Wald, sondern Dorfanlage, Gärten, Wiesen und Hutweide. Das letzte noch 1794 aufgebaute Holzhaus wurde 1915 abgetragen; das Holz war noch vollkommen gesund.
aus: Tietz, Alexander, Märchen und Sagen aus dem Banater Bergland, Kriterion Verlag Bukarest, 1976