Ein Wiederbelebungversuch der alten Wusch

Asociația Prietenii Mocăniței

Text: Alex Barac / Fotos: Radu Tompa / Zeichnungen: Gudrun Pauksch

Dampflok mit Hänger
Die Harbachtalbahn, im Volksmund auch Wusch genannt, wurde in zwei Etappen gebaut: 1895-1898 von Sighișoara (Schässburg) nach Agnita und 1910 wurde die Verlängerung der Strecke nach Sibiu (Hermannstadt) abgeschlossen.
Eigentlich sollte die Bahn das Tarnavelor-Plateau mit dem Hârtibaciu-Plateau verbinden. Doch wegen dem Hügel nahe des Dorfes Apold musste man auf die normale Spurbreite zugunsten einer Schmalspurbahn verzichten. Anfangs wurde diese nur für den Transport von Holz und Zuckerrüben verwendet, erst später wurden auch Menschen befördert.
Die Züge verkehrten zwischen Sighișoara und Agnita bis 1965. Dann wurde dieses Teilstück stillgelegt und die Gleise entfernt, um Platz für die Straße zu schaffen, welche heute die beiden Städte verbindet. Der Bahnhof Agnita wurde aus der Innenstadt an den Stadtrand in Richtung Sibiu verlegt.
Die Züge zwischen Sibiu und Agnita verkehrten bis 2001. Dann wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Gründe dafür gab es viele: mangelnde Rentabilität, da viele ohne Fahrkarte reisten sowie ungenügende Wartung und mangelnde Infrastruktur.
Als Mihai Blotor, ein in Agnita geborener leidenschaftlicher Eisenbahnfan, im Jahre 2008 erfuhr, dass man die Strecke endgültig schließen und verschrotten wollte, half er mit bei der Erstellung der erforderliche Dokumentation für die Einstufung als historisches Denkmal. So gründete er den Verein „Asociația Prietenii Mocăniței“ (Freunde der Mocanita). In den kommenden Jahren fanden sich einige abenteuerlustige junge Leute. Niemand kannte sich mit Eisenbahnen aus, aber sie schlossen sich dem Verband an, um die Schmalspurbahn vor dem Verfall zu retten und sie so weit wie möglich zu erhalten.
"Meine Mutter ist im Dorf Benești geboren ist" erzählt einer der Freiwilligen. "Die Eisenbahnlinie führte durch dieses Dorf und so bin ich als Kind oft mit dem Zug zu meinen Großeltern gefahren. Als ich von dem Verein erfuhr, schloss ich mich sofort als Freiwilliger an."
Es gibt da ein paar amüsante Geschichten, die über die Geschwindigkeit des Zuges während des Anstieges zum Apoldhügel erzählen: Ein Anwalt aus Agnita hatte es eilig, nach Sighișoara zum Gericht zu gelangen und nahm den Zug. Als sich der Zug dem Hügel von Apold näherte, stieg der Anwalt aus und erklomm den Hügel zu Fuß. Ein Reisender sprach zu ihm: "Komm schon, steig ein, wieso gehst du zu Fuß ?" Der Anwalt: "Lass mich in Ruhe, ich muss mich beeilen, um rechtzeitig zum Gericht zu gelangen!"
Es wird erzählt, dass es in den Waggons drei Komfortklassen gab. Der Unterschied zwischen ihnen war am besten so zu sehen: Wenn der Anstieg auf den Hügel begann, blieben die Reisenden der ersten Klasse im Zug, die der zweiten Klasse stiegen ab und gingen nebenher, während die Reisenden der dritten Klasse hinten schoben.
Im Winter beschmierten die Dorfkinder aus Brădeni und Apold am Fuße des Apold-Hügels die Schienen mit Fett. Als der Heizer merkte, dass er nicht weiterkam und die Räder des Zuges durchdrehten, bewarf er die Kinder mit Kohle. Diese sammelten die Kohlen ein und brachten sie zum Verheizen nach Hause.
zwei Männer arbeiten mit einer Hacke am Gleis
Anlässlich des 100. Jahrestages der Eröffnung der Strecke Agnita - Sibiu wurden 2010 eine Lokomotive und ein Waggon instand gesetzt. Vom Bahnhof Agnita konnte man damit zur Freude der anwesenden Gäste etwa 2 km bis Sibiu fahren.
Detailaufnahme einer Nachtfahrt mit Vereinsmitgliedern Mann liegt auf einer selbstgebauten Bank und schaut auf einen im Tal vorbeifahrenden Zug
fahrender Zug mit zwei Hängern
Unter den Fahrgästen war auch eine Gruppe leidenschaftlicher Eisenbahnfans aus Wales, die sich viele Jahrzehnte in ihrem Land freiwillig um alte Eisenbahnen gekümmert hatten. Angesteckt von der Begeisterung der Freiwilligen boten sie ihr Wissen und auch Geld zur Unterstützung an.
viele Freiwillige arbeiten an einer Brücke Mann arbeitet mit Hacke am Gleis während zwei Freiwillige zuschauen
Sieben Kilometer der Strecke zwischen Cornățel und Hosman sind inzwischen instand gesetzt und wieder befahrbar. Leider verhindern inzwischen einige Gesetze die Nutzung durch den Verein. Deshalb muss der Zug auf dem Abstellgleis stehen bleiben.
Nahaufnahme einer Schnecke auf einem Gleis
Esel schaut in die Kamera während im Hintergrund ein Zug vorbeiführt Eine Lok steht im Bild und verdunkelt mit ihrem Rauch den Himmel
Dabei zog das letzte vom Verein organisierte Eisenbahnfest etwa 1200 Touristen an. Seit 2016 haben wir bei verschiedenen Veranstaltungen insgesamt 5000 Touristen befördert.
Ein Dudelsackspieler und ein Trommler in Folklorekleidung spielen vor dem Bahnhofsgebäude von Cornatel
Wir sind überzeugt, dass großes Interesse an solchen Fahrten mit der Mocănița besteht. Bei den Veranstaltungen im September 2017 und Mai 2018 war das Online-Reservierungssystem des Vereins restlos überfordert. Alle Fahrkarten waren innerhalb von 48 Stunden ausverkauft. Das waren rund 1000 Plätze für jede der beiden Veranstaltungen.
Zwei Touristen fahren auf einer Draisine während auf der Straße neben dem Gleis eine Radrenngruppe vorbei fährt
Aber der Verband muss die geltenden Gesetze einhalten. So kann die Schmalspurbahn vorerst nicht fahren...
Gruppenfotoe der Freiwilligen vor dem Bahnhofsgebäude von Cornatel und mit Dampflokzug
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