Komm bald wieder ...

Wilhelm Scherz / www.karpatenwilli.com





Es ist der schöne Monat Mai des Jahres 2018. Ich pausiere vor einer kleinen Betonzelle nahe Vf. Muntele Piatra (1643 m), in deren Innern zwei Ikonen hängen. Der Blick reicht über die vorgelagerten Bergrücken des Masivul Buila-Vanturarita bis weit hinunter in die Oltenische Tiefebene. Vor dem Aufstieg hab ich das isoliert gelegene orthodoxe Kloster Patrunsa besucht. Auf dem Weg durch die Klosteranlage kam es zu einigen Gesprächen mit orthodoxen Mönchen, welche hier zumeist in weit verstreut gelegenen kleinen Hütten leben. Sicher wird der eine und andere Mönch auch ab und an zum stillen Gebet hier hinaufkommen. Mein "stilles Gebet" gilt derweil dem wunderschönen Land Rumänien, das doch immer wieder für Überraschungen sorgt.

In früheren Jahren war ich schon mehrmals im malerischen Olt-Tal (Valea Oltului) und den sich anschließenden Niederungen unterwegs. Dabei nutzte ich die Gelegenheit zum Besuch des einen und anderen Klosters. Diesmal aber war ich mit Jolante (Renault Kangoo 4x4) unterwegs und konnte punktuell viele Ziele anfahren. So sollte es endlich gelingen, alle historischen und neu erbauten orthodoxen Klöster (Manastirea) und Nebenklöster (Schitul) innerhalb und nahe des Olt-Tales zu besuchen. Wobei das nur eines der Ziele war. Der andere Part bestand in zahlreichen Schnuppertouren in die extravaganten Felslandschaften, welche sich zu beiden Seiten, vorrangig aber westlich  der Valea Oltului erstrecken. Hier besteht noch pures Entdeckerpotential.







Unbefestigter Fahrweg zwischen dem Schitul Pahomie und Manastirea Patrunsa.
Ca. 3 km vor Manastirea Patrunsa endet der Fahrweg. Hier befinden sich einige Garagen des Klosters und auch ein kleiner Bach. Ideal also, um hier nach oder  vor einer Wanderung auf Masivul Buila-Vanturarita das Auto stehen zu lassen und das Nachtlager zu errichten. Man kann aber auch im Schitul Pahomie ein bescheidenes Nachtlager beziehen. Für eine komplette Tour über die zwei Klöster - Vf. Muntele Piatra - Curmatura Builei (wo es eine Hirtenhütte und eine wieder hergerichtete Schutzhütte gibt) - Vf. Buila (1849 m) - Vf. Stevioara (1847 m) - Vf. Vanturarita I (1866 m) - und Abstieg nach Schitul Patrunsa sollte man eine ausgedehnte Tagestour veranschlagen.



Von Sibiu kommend erreicht man über die -7- (E81) nach ca. 20 km die Kleinstadt Talmaciu und nach weiteren 4 km beginnt hinter Boita das Olt-Tal steiler und felsiger zu werden. Eine nicht endende Autokolonne zwängt sich häufig durch diesen Engpass in Richtung Oltenien. Nach weiteren 30 km muss man aufpassen, denn hier befindet sich links der Strasse das orthodoxe Kloster Cornet (im Bild linksseits des Olt-Flusses). Nach weiteren 10 km zweigt rechtsseits die -7A- nach Brezoi ab. Hier befand sich einst die historische Grenze zwischen Transsilvanien und dem rumänischen Altreich. Es ist der Einstieg in eine zauberhafte Region mit einer Klosterdichte, welche jener in der Moldau-Region in nichts nachsteht. Ganz im Gegenteil, die Lage einiger Klöster gestaltet sich landschaftlich noch schöner und "dramatischer", was reinweg der Topografie zu verdanken ist. In früheren Jahren hatte ich mit Freunden schon einen Teil der historischen Olt-Klöster besucht. Und hat man einmal damit begonnen, dann ist die Wiederkehr beinahe unabdingbar. 

Hier,  nahe dem alten Kloster Cornet führt eine Brücke über den Olt. Sie war das nachmittägliche Eingangstor zu "EINEM" über Google Earth neu entdeckten riesigen Kloster (Manastirea Sf. Ioan Iacob Hozevitul). Hat man die Brücke überfahren, hält man sich links und gelangt nach einigen Metern an eine Wegkreuzung. Hier mündet der Baiasu-Bach in den Olt. Es ist schön anzusehen, wie der kleine Nebenfluss seine Sedimente im Olt abgelagert hat. Ich entdeckte gleich linksseits eine Wiese unmittelbar am Olt, welche als gutes Nachtlager dienen könnte. Ich hatte ja Zeit, denn am frühen Nachmittag stand nur noch dieses eine neue Kloster auf dem "Fahrplan" ... bis ... ja bis ...



... ich an der Weggabelung einen Wegweiser zu gleich vier neuen Klosteranwesen erblickte. Boooaaaah, Hammer, Schweiß auf der Stirn, Zeitplan im A... , Durchatmen, genauer Blick auf die Kilometerangaben ... Resultat: o.k. das ist zu schaffen :-) !!! Also machte ich mich zunächst auf in die Valea Baiasu nach Manastirea Sf. Ioan Iacob Hozevitul. Die Anfahrt ist malerisch, vorbei an einem breiten Tal mit schönen Weideflächen ... Übernachtugnsmöglichkeiten für Camper und Wohnmobilisten ohne Ende. Pferde laufen hier frei umher und bereichern die ohnehin schon aufwühlende Szenerie!






Manastirea Sf. Ioan Iacob Hozevitul 

Hinter dem Klosteranwesen erheben sich die steilen Flanken des Masivul Cozia. Das neue Kloster, in Form eines riesigen geschlossenen Vierseithofes mit innen stehender Kirche, wurde am 8. Dezember 2013 geweiht. Eine auferlegte Funktion des Klosters ist auch die Unterstützung in Not geratener Menschen. Noch aber ist der Bau nicht vollständig beendet. Momentan wird die riesige Kirche im Innern für die Freskobemalung vorbereitet. Der Komplex wird von einigen Nonnen betreut und verwaltet. Gestiftet wurde das Grundstück, sowie der Bau des Klosters von Vasile und Carmen Timis. Die komplexen Aufbauarbeiten betreute weitgehend der orthodoxe Priester Ioan Comanescu. ...






Nach dem Besuch von Manastirea Sf. Ioan Iacob Hozevitul fuhr ich weiter zu den anderen drei neuen Klosteranwesen. Zuerst erreicht man Schitul "Sfantul Grigorie Palama" (oberes Bild). Der anvisierte Zeltplatz an der Weggabelung am Olt hatte sich bei den hiesigen Ausblicken vollständig erledigt :-) ... Zunächst aber ging die Fahrt weiter zum nächsten Kloster, Manastirea "Pograrea Duhului Sfant" Blanoiu. Das Kloster bei Blanoiu besteht aus einem riesigen Wohnkomplex, einer kleineren nebenstehenden Kapelle und einer riesigen Kirche mit einem im Eingangsbereich befindlichen Glockenturm. Feinster Marmorfußboden, die Ikonostase und Sitzmobiliar sind bereits vorhanden. Die Freskobemalung ist derzeit in Vorbereitung. Die Äbtissin des Klosters führte mich stolz durch das gesamte Anwesen, welches ebenfalls von der Timis-Familie gestiftet wurde. Spontan bekam ich auch eine Unterkunft angeboten. Aber ich musste bei meiner Zeltplatzoption zum Bedauern ablehnen. Das Kloster wurde am 2. Oktober 2011 geweiht. Es befindet sich in einer sehr schönen Berglage mit Blick auf die von Bergen eingeschlossene Senke der Tara Lovistei. Dieses Kernland rumänischer Bergbauern verfügt noch heute über starke Traditionen und Brauchtümer, die sich dem Fremden nicht auf einem Kurzbesuch erschliessen!

Meine Reise ging dann weiter über kleine Bergdörfer nach Manastirea "Sfantii Trei Ierarh" in Gruiu Lupului. Ein alter Priester schloss die neue Klosterkirche auf und zeigte mir stolz die neue, zur Hälfte vollendete Freskobemalung, sowie die Reliqien. Das Kloster ist gesponsort von der in Österreich lebenden Timis-Familie sowie dem in Oradea ansässigen Unternehmer Ticra Rares. Nach dem Besuch des Klosters machte ich Halt an einem kleinen Magazin Mixt. Drei alte Herren sitzen dort in der Abendsonne auf Palinka und Bier beisammen. Ich geselle mich dazu und begebe mich auf Partikelsuche nach der Historie der Tara Lovistei. Aber auch meine Palinka muss wieder aufgestockt werden, wobei mir die Chefin des Magazin Mixt mit der besten Qualität des Hauses Unterstützung leistete. Multumesc! 

Zeit wurde es, die Rückfahrt zum Schitul "Sfantul Grigorie Palama" anzutreten um dort Zelt und Klappstuhl aufzubauen. Die Blicke reichen zur einen Seite hinüber auf´s Masivul Cozia und zur anderen Seite auf das Olt-Tal, in dem sich selbst zu den späten Abendstunden noch die Autokolonnen fortbewegen. Hier oben aber: absolut Liniste! Zu später Stunde kommt noch ein Hirte mit seinen Schafen vorbei. Wir trinken eine Palinka auf unsere Gesundheit und noch eine auf die der Schafe und Hirtenhunde. So geht ein schöner Tag voller Unplanbarkeiten seinem Ende entgegen ...







Die ersten Sonnenstrahlen des Morgens nutze ich bereits für eine Erkundung des Felsentales der Valea Calinesti. Zuerst zur einen Seite hinauf und dann gegenüber liegend empor. Querfeldein fand ich eine Grotte mit zwei schönen Portalen. Wild, nichts weiter außer Wildspuren, die sich auch auf dem Kamm des felsigen Bergrückens fortsetzen und ein gutes Vorankommen gewährleisteten. Im vorderen Teil des Bergrückens hat man schöne Ausblicke auf das Olt-Tal. Am frühen Nachmittag nehme ich im Auto einen Bergbauern aus dem Calinesti-Tal mit in Richtung Brezoi. Wir unterhalten uns über die Klöster und Felsregionen und dabei bekomme ich noch einen Tipp für eine besondere Höhle gegenüber des Olt. Oh? Da war ich ja am Vortag gar nicht weit entfernt! Aber für einen Besuch reicht mein ausgefüllter Reiseplan nicht mehr hin. Ab damit in die Wunschkiste für künftige Besuche in der Olt-Region. 







Die alten Klöster findet man an der Nationalstrasse entlang des Olt-Tales sowie tief vesteckt in den hier angrenzenden Bergen der Muntii Capatanii. Eines der weit abgelegenen historischen Klöster ist das "Schitul Jgheaburi" in der Gemeinde Stonesti. Hinter Deleni verlässt man die neu asphaltierte Straße und zweigt ab auf einen unbefestigten Waldweg. Ich hatte diesen erst in den Abendstunden erreicht und sondierte bei der Anfahrt zum Kloster auch gleich das Umland nach einem gemütlichen Zeltplatz. Kurz vor dem Kloster wurde ich fündig, eine Wiese mit Apfelbäumen sollte es sein. Das Auto muss man ganz in der Nähe ohnehin abstellen. Dann geht es zu Fuß steil bergab in ein enges Waldtal. Hier befindet sich das versteckt gelegene Kloster. Die ersten Bauten wurden zu Zeiten des Fürsten Radu Negru im Jahre 1310 aus Holz erbaut. Während der Zeit des Fürsten Basarab wurde das Kloster im Jahr 1640 wiederbelebt. Die jetzige Steinkirche wurde am 8. Mai 1827 geweiht. Neben der auffälligen Außenwandbemalung ist auch die Freskobemalung im Innern sehr aufwendig gestaltet. Besonders begeistert haben mich aber Teile der naiven Malerei im Pronaos der Kirche, speziell im Bereich der Einganstür! 







Als ich mich während meiner Ankunft bei Schitul Jgheaburi durch ein scheinbar unbewohntes Klostergelände bewegte, war mein erstes Ziel natürlich die alte Klosterkirche. Unmittelbar neben dieser befand sich ein kleines Bauernhaus. Licht brannte in einem der Zimmer. Ich klopfte ans Fenster und ein alter Mann kam heraus. Es war der Pfarrer des Klosters. Den Wunsch, die Kirche im Innern besichtigen zu dürfen, erfüllte er mir umgehend. Ich bedankte mich mit einer Spende und erweiterte diese mit der Bittschrift: "Der Herr sei mit mir in den Bergen". Während der gesamten Tour "rüstete" ich mehrmals nach und alles lief bestens! Auch das Wetter war mir zutiefst gnädig gestimmt und so musste ich an nur zwei Nachmittagen in drei Wochen mit hereinbrechenden Regenschauern "haushalten". An einem Tag war es "minutengenau": ...

... Ich befand mich am späten Abend im Zentrum des Kurortes Baile Olanesti. Ein orchesträres Berggewitter zog rasch heran und ich stand direkt vor einem einladenden Hotel. Was will man mehr. Mein Abendbrot genoss ich dann beim grollenden Berggewitter auf der überdachten Veranda, welche direkt über den Olanesti-Bach gebaut wurde. Es war eine tolle Stimmung und auch meine Kammeraakkus fraßen sich des Nachtens satt an der Steckdose :-) !!! ... Ja und wie ich gerade das Kloster Gheaburi verlassen will, begrüsst mich eine Nonne vor einem der Wohnkomplexe. Sie lädt mich ins Haus und zeigt mir einen Raum, in dem von den Nonnen hergestellte Holzkreuze, Hinterglasikonen und andere Handwerkskünste zum Kauf angeboten werden. In Erinnerung an dieses Kloster hängt nun auch eines dieser kleinen Holzkreuze in meinem kleinen Anwesen :-) ...







Im oberen Bild zu sehen: Ein "Abgesandter" des Klosters Bistrita führte mich durch das Höhlenkloster in der Cheile Bistritei (Bistrita-Schlucht). Das Höhlenkloster beherbergt zwei kleine Klosterkirchen: eine direkt in den Fels geschlagene Kapelle und ein kleines Kirchlein, welches in einem Höhlensaal steht, in dem sich ein grosses Höhlenfenster befindet. Mit den Jahren wird es immer schwieriger, die Genehmigung für eine Begehung zu bekommen. Aber es spornt mich auch an und so gelang es mir nach der dritten einflussreichen Nonne mit schwerwiegenden Argumenten das Wohlwollen abermals zu gewinnen. Mein Führer, welcher im Kloster als Hausmeister arbeitet, entpuppte sich als historisch sehr gebildet. Multumesc!!!







Nach dem Besuch weiterer Klöster brauchte ich unbedingt ein Lager der Abgeschiedenheit, um alle Eindrücke des Tages nachwirken zu lassen. Ich befinde mich hier in der Gemeinde Ocnele Mari. Bei meiner Ankunft im Zentrum der Gemeinde machte ich noch einen Halt am Touristinformationsbüro hinter dem Rathaus ... und Hut ab, hier stand ich einer Dame gegenüber, die sich als sehr kompetent erwies. Eines der Erlebnisse, die ich z.B. in der Tourismusinformation im Zentrum von Sibiu zutiefst vermisst habe. Hier wurde mir sogar angeboten, am nächsten Nachmittag mich zu einigen interessanten Punkten der Gemeinde zu begleiten. Das passte gut, denn den gesamten Vormittag wollte ich endlich einmal ohne Zeitnot in der Saline von Ocnele Mari verbringen. Zunächst aber galt es, in einer geologisch hoch interessanten Zone, an einem versteckt gelegenen Platz den Abend herankommen zu lassen. In der Nacht spiegelte sich der Dreiviertelmond im Wasser des Sees, während ich dank eBook andere Reisegeschichten im Campingstuhl bis tief nach Mitternacht genoss. 







Salina Ocnele Mari

Bereits um 9 Uhr fuhr ich mit einem großen Bus über 1,7 km in das Salzgestein des Berges ein. Die Salina Ocnele Mari ist mit jener in Turda nicht vergleichbar. Hier herrscht irgendwie eine andere Stimmung, zu der sicher auch die grosse Kapelle beiträgt. Ich blieb bis 14 Uhr unter Tage und hier lag der Ursprung einer weiteren kleinen Urlaubsgeschichte: ... Am Souvenierladen in einer der langen Galerien kaufte ich mir eine touristische Karte des Judetul Valcea. Keine besondere Topografie, aber  punktuell aufgelistete Sehenswürdigkeiten. Es ging bis Nr. 32 und ich kannte davon gut und gerne schon 29. Aber die Nummer 15, ganz abseits gelegen, nahe dem Vf. lui Roman in den Muntii Capatanii erregte meine Aufmerksamkeit. Stand dort geschrieben: "15. Manastirea Maicii Domnului". Boaaaahhh, war mir kein Begriff und da dieses Kloster mit Sicherheit das höchst gelegene Kloster des Oltenischen Landes ist, so war es ein MUSS, dort vorbeizuschaun ...






Zwei Tage später besuchte ich die Klöster Govora, Surpatele, Dintr-un Lemn, Hurezi und Schitul "Sfantul Stefan" (auf keiner Karte). Von diesem letzten, von Nonnen bewirtschafteten Kloster (1703) setzt sich zunächst ein befestigter Fahrweg in Richtung der Berge fort. Ab Romanii de Sus beginnt die steilere Anfahrt über unbefestigte Waldwege. Irgendwann erreichte ich zu fortgeschrittener Abendstunde das Hochplateau. Hier befinden sich ein paar Pensionen, welche wohl nur in der Sommerzeit bewirtschaftet werden. Wo aber war das Kloster? Dann endlich, auf einem fernen Bergrücken erkenne ich die Silhouette des Gebäudekomplexes. ...






Mit hereinbrechender Dunkelheit erreiche ich dann Manastirea Maicii Domnului. Ein grosser Hund kommt mir zunächst bellend entgegen und nach kurzer Zeit hatten wir die Bande der Freundschaft miteinander geschlossen. Durch das Gebell kam ein Mönch aus der Kirche und erkundigte sich nach dem Ziel meiner Reise. Dies hätte ich soeben erreicht, sagte ich ihm. Wo ich denn übernachten werde? Nahe dem Kloster im Zelt oder - so möglich - auch hier im Kloster. Der Mönch ging schnell in die Kirche und kam ebenso schnell wieder zurück. Wenig später hatte ich hier Quartier bezogen und wohnte dem Gottesdienst bei. Hier leben nur zwei Mönche und zwei Priester. Vor zwei Wochen ist einer der Mönche, der einst fünfte Bewohner des Klosters, verstorben. Er war noch mittleren Alters. Nach dem Gottesdienst besuchten wir seine noch provisorische Grabstätte neben dem Kloster. Einer der Pfarrer zündete eine Kerze an und sagte bedächtig: Nun sind wir nur noch zu viert und irgendwann werde auch ich hier liegen. Im Anschluss daran wurde ich in die Klosterküche zum Abendbrot eingeladen. 






Neben dem Eingang zum Naos befindet sich ein Abbild der Sponsoren dieses Klosters.  Vor einigen Jahren ist die 25-jährige Tochter von Ileana und Dumitru Crestin nach einer Magenoperation verstorben. Die wohlhabende Unternehmerfamilie linderte ihren Schmerz zusammen mit weiteren Familienangehörigen durch die Stiftung dieses Klosters. Sie besaßen schon viel Land hier oben um den Vf. Roman und unterhielten ganz in der Nähe einen privaten Wohnkomplex. So lag es nahe, das Kloster hier auf dem Bergrücken in einer Höhe von 1700 Metern zu errichten. Die Versorgung des Klosters erfolgt völlig autark. Strom erzeugt man hier mit Fotovoltaik und das Wasser kommt aus einem nahen Brunnen. Die Mönche und Priester sind - was das abgeschiedene Leben anbelangt - sehr erfahren und können auch bei hohen Schneelagen hier problemlos überwintern. Am 7. September des Jahres 2014 wurde das Kloster geweiht und führt seit dieser Zeit sein eigenständiges Leben. 







Meine kleine Mönchzelle! Zu später Stunde mummelte ich mich in den Schlafsack und strapazierte wieder mein eBook. Übrigens - anders als in Deutschland - befindet man sich hier oben in abgeschiedener Lage nicht in einem Funkloch! Auch die Priester und Mönche pflegen täglich ihre Kontakte über Whats App und Co. ... Ich werde mir derweil mal wieder bewusst, was für ein schöner Urlaub mir hier beschert wird. Multumesc!







Gleich mit dem Sonnenaufgang ziehe ich mit der Kamera zu "Felde" und geniesse die klare Sicht auf das weite Umland der Muntii Capatanii und der Oltenischen Tiefebene. Dann rufen die Kirchenglocken zur morgendlichen Messe. Die zwei Mönche und zwei Priester haben sich in ihre langen Überhänge eingeschlagen, was aber dennoch die Füße in den dicken Schafwollsocken und gummierten Clogs hervorschauen lässt. Alles läuft in sehr gemütlicher Atmosphäre ab und im Altarul führen die zwei Priester während der Messe auch das eine und andere private Kurzgespräch :-) ... Eine - vielleicht die größte - Rumänienfreundin, mit der ich auch schon einige Rumänienreisen unternehmen konnte, hätte hier eine wahre Freude empfunden. Aber ich weiß ja, dass sie zu selbiger Zeit und gar nicht so weit entfernt dieser Leidenschaft ebenso nachgegangen ist :-) !  







Nach dem Gottesdienst werde ich wieder in die Klosterküche zum gemeinsamen Frühstück eingeladen. Einer der Mönche diente in früheren Jahren übrigens im Cozia-Kloster und so fand ich auch hier noch bei offenen Fragen eine gute Klärung! Dann hieß es Sachen packen. Ich machte noch in der Kirche meine Pomana und holte dann eine Flasche Klosterbruder aus dem Auto. Diese, aus meiner Region stammende "Tinktur", erweist sich immer wieder als achtenswertes Geschenk in solchen Situationen. ABER es bedarf der geschickten Argumentation, die Geistlichen nicht in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Als ich mit der Flasche in der Klosterküche eintrat, schauten alle Vier zunächst ernst und bedächtig. Dann mein Kommentar: Liebe Freunde, die Pomana war eine Spende an den Herrn und diese Tinktur ist ein Geschenk an Euch von Mensch zu Mensch. Alle brachen in ein heiteres Lachen aus und der zuvor ernsteste der Pfarrer sagte dann: ...

"... Komm bald wieder, dann sind wir wieder zu Fünft!"






So, hab ich nun alle Klöster entdeckt? Natürlich nicht. Ein kleines Kloster suche ich schon seit einigen Jahren und auch in diesem Jahr war ich wahrscheinlich dicht dran, aber eben doch nicht dort. Den Oltklöstern verdanke ich erst die Aufmerksamkeit auf die ausgedehnten Felsregionen, welche sich vorrangig westlich des Olt erstrecken. Auf meiner Fahrt über offiziell befahrbare Waldwege nordöstlich von Masivul Buila-Vanturarita, auf der Suche nach seltenen Felsregionen und Höhlen, kam mir plötzlich ein Quad entgegen, auf dem zwei Mönche saßen. Wir stoppten und ich erkundigte mich nach der Herkunft derer. Sie kommen eigentlich aus dem Kloster Frasinei und betreuen hier nahe dem Vf.  ... ein im Aufbau befindliches kleines Nebenkloster. Die Zeit für einen Besuch hatte ich nicht mehr, aber den Weg dorthin habe ich "intus"!!! Und so ist es mit den Vorzügen vielseitiger Interessenlagen: Auf manche Bergregionen wurde man erst durch die dortigen Klöster aufmerksam; in einigen Klöstern gab es punktuell etnografische Hinweise; auf der Recherche nach diesen gab es von den dortigen Bewohnern Tipps zu nahe gelegenen Höhlen ... und so bringt das Eine das Andere mit sich. Wer sich der Vielseitigkeit entschließt, dem wird der Bühnenvorhang jeweils nur ein kleines Stück geöffnet. Und vergessen wir nicht den wichtigsten Entdeckertipp für Reisen durch Rumänien: Ohne die Einheimischen wird man viele Dinge nicht zu sehen bekommen!



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