Ein Tal, ein Dorf und viele Höhlen

Sighiștel im Bihorgebirge

von Roland H. Winkelhöfer

Dorthin sind wir oft gefahren. Die ersten Reisen erfolgten noch mit unseren Trabant-Autos, beinhalteten schikanöse Grenzkontrollen an den drei dafür hintereinander zu überwindenden Grenzen innerhalb des „Sozialistischen Lagers“. „Wir müssen erst noch Ihr Karbid röntgen“ - „Wen wollen Sie besuchen?“ „Haben Sie Bibeln dabei?“ - lauteten Fragen der Kontrolleure.
Als das alles nach Tagen und Stunden geschafft, das Bihorgebirge erreicht war, warteten dort schon rumänische Höhlenfreunde auf uns. Ihre Betreuung war stets von hoher Qualität und hatte gutes höhlenkundliches Niveau. Geradezu lustig waren die relativ kleinen rumänischen Karbidlampen.
Bildtafel mit Erklärungen zum Aufbau einer Karbildlampe
Damals war das Übernachten bei rumänischen Privatpersonen noch bei Strafe verboten. Dennoch fanden sich Wege, auch mit einem Kleinkind in einem Bauernhaus unterzukommen. Es sollte die Zeit kommen, da der menschenverachtende rumänische „Kommunismus“ an sein Ende gelangte.
Von den Erinnerungen der ersten Fahrt ist auch die nachstehende Silvester-Glückwunschkarte geblieben.
Schwein riecht an Karbildlampe und Schutzhelm mit der Überschrift: Prosit 1983! und dem rumänischen Neujahrsgruße La multi ani (auf viele Jahre)
Das Reihendorf Sighiștel am gleichnamigen Flüsschen litt damals noch regelmäßig unter Hochwässern. Es gab dagegen keinen richtigen Schutz. Das älteste Dorfbild machten wir 1982 von den primitiven, nur aufgeschütteten Steinschuttwällen. Sie waren das Einzige, was die Fluten einigermaßen zurückhielt, wie man nach jedem Gewitter zu hoffen hatte.
Altes Foto mit Dorfbach und einer kleinen Holzbrücke
Es gab für die deutschen „Expeditionsteilnehmer“ bei jeder Reise der Höhlenforschergruppe Dresden viel Erlebnisse, reichlich Entdeckungs- und Suchaufträge. Jeder, der sich mal unsere von dort erarbeitete Land- und Höhlenkarte des Sighișteltales anschaut, kann sich annähernd vorstellen, wie eine Höhlensuche in diesen steilen Bergregionen dort aussieht.
Nun wird es Zeit, mal selbst in eine der Tropfsteinhöhlen zu schauen, auf die geologischen Naturwunder in ihrer Schönheit zu blicken.
Auch nach den Revolutionen in Rumänien und in Deutschland blieben wir der hier geschilderten Landschaft und ihren Menschen treu. Wir sahen die Fortschritte bei der Instandsetzung ihrer Häuser und den ungebrochenen Eifer, weitere Höhlen zu entdecken und uns zu ihnen zu führen.
Bleiben wir aber erst mal bei den Sicherung des Dorfes gegen Überflutungen. Ein französisches Dorf finanzierte einen kräftigen Schutzdamm, längs der Dorfstraße und der Häuserreihen entstand kurz nach der Revolution an beiden Seiten der Sighistel eine Betonmauer.
heutiges Foto der Dorfstraße mit Hochwasserschutzmauern
Die Kinder und Jugendlichen das Dorfes waren (so würden wir es heute formulieren:) voll ins Dorfleben integriert. Man sah sie wie selbstverständlich reiten und Traktor fahren, man sah glücklicherweise nicht direkt, wenn sie neugeborene Katzen... (wir würden heute sagen) entsorgten.
Junge reitet auf einem Pferd durchs Dorf
Sozusagen schon als ganz als junge Bauern waren sie an sehr vielen Tätigkeiten, die das Leben auf dem Dorfe erforderten, beteiligt.
Ein Junge sitzt auf einen Traktor
Nun wollen wir den Adventkalenderslesern natürlich auch nicht vorenthalten, warum wir hauptsächlich nach Rumänien gefahren sind. Was kann eine HÖHLENFORSCHERGRUPPE DRESDEN denn schon hauptsächlich sehen wollen?
Bereiche unserer Umwelt, die so schnell gar keiner zu Gesicht bekommt und die man am besten schützt, wenn man ihre Lage geheim hält. Wie wäre es mit dem nachstehenden "Medusentropfstein", der eine besondere, natürlich natürliche Farbgebung hat?
Nahaufnahme der Höhlenformation
Das in Rumänien noch zarte Pflänzchen "Umweltschutz" macht auch im Dorf Fortschritte. Endlich wird der Müll (einschl. Akkumulatoren) nicht mehr in den Bach entsorgt. Bei den ersten Mülltonnen, die nach Sighiștel kamen, gab es einen regelrechten Auflauf.
Ein Müllauto steht vor einer Gruppe von Menschen
Mal schauen, wie sich Land und Dorf weiter entwickeln? Vielleicht gibt es Weiteres im kommenden Jahr zu berichten. Unseren "Höhlenführer Sighistel" (mit Karte) gibt es ständig im Angebot unseres HÖHLENFORSCHER-Verlages.
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