Die Madonna im heutigen Adventskalender ist eine „freie Ikone“. Sie stammt von der in Hermannstadt/Sibiu geborenen Künstlerin Katharina Zipser, die Ende Dezember 94 Jahre alt wird. In den 1960er Jahren geschult in der rumänisch-orthodoxen Ikonenmalerei, vom damaligen Patriarchen als legitime Ikonenmalerin bestätigt und in der Folge mit vielfältigen Aufträgen betraut, hat sie im Laufe ihres Lebens ganz eigene Varianten dieses Bildtypus‘ entwickelt. Deshalb sprechen wir bei unserem Weihnachtsbild von einer „freien Ikone“.
Es ist stiller geworden um Katharina Zipser, die ohnehin nie viel Aufhebens um ihre Person betrieb. Immer schon konzentrierte sie sich lieber auf ihre Kunst, als sich um Image und Verkauf zu kümmern. Keineswegs „leger“ – so ihre Vokabel –, sondern sehr fokussiert sucht sie in der Malerei nach Parabeln für den Klang der Sprachen, in denen sie lebte, das Deutsche und das Rumänische. Einsamkeit gehört dazu.
Umso schöner war es, dass sie für ihr Werk 2008 mit dem Siebenbürgischen Kulturpreis des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland geehrt wurde. Etwas später folgte eine vom Schriftsteller Frieder Schuller (heute Berlin) initiierte Ausstellung in Schäßburg/Sighișoara, die anschließend u.a. im Brukenthal-Museum/Muzeul Naţional Brukenthal Sibiu zu sehen war. 2014 wurde das Projekt von Irmgard Sedler für den Kleihues-Bau in Kornwestheim/Baden-Württemberg übernommen und 2016 um den bislang einzigen Katalog ergänzt.
KATH. – in Großbuchstaben und mit einem Punkt hintendran –, so der Künstlername von Katharina Zipser, arbeitet inzwischen nicht mehr. Das hohe Alter verwehrt ihr dies.
In Zusammenarbeit mit Pomona Zipser, Tochter der Künstlerin, und mit Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum, als Kuratorin wird die Galerie Schöne Höhe in Pirna vom 8. März bis 10. Mai 2026 eine besondere Auswahl der Werke von KATH. zeigen. Die Ausstellung lädt ein zur (Wieder-)Entdeckung einer großartigen Künstlerin, die gleichermaßen rumänisches und deutsches Kulturerbe in sich zu vereinen weiß. Ein Rahmenprogramm mit Podiumsgesprächen, einer Schreibwerkstatt und einem Filmabend ist in Vorbereitung.
Neben der „Madonna“ werden Kunstwerke von KATH. gezeigt, die sinnlich, ja fast zart anmutend den Betrachter machtvoll in ihren Bann ziehen: Werke, wie der „Engel mit Panflöte“ (1973), „Ave Leda“ (1977), „Taurus“ (1992), oder „Da hängen schwarze Quallen“ (1999).
Weitere Information im HDO Journal 2024 „Pionierinnen, Visionärinnen, Kämpferinnen“, Seiten 95-101, wo der Beitrag von Heinke Fabritius unter dem Titel „Siebenbürgen im Gepäck: Drei Frauen - drei Generationen – drei künstlerische Selbstentwürfe zwischen Deutschland und Rumänien“ erschien. HIER ein Link zum Download des Journals.
Details zur Ausstellung Titel: KATH. Vernissage: 08.03.2026, 15 Uhr Finissage: 10.05.2026, 15 Uhr Öffnungszeit: Freitag – Sonntag, jeweils von 15 - 18 Uhr oder jederzeit nach Vereinbarung Ort: Galerie Schöne Höhe, Burglehnstraße 13, 01796 Pirna, info@schoenehoehe.art Tel. 0172-7966003 Kuratorin: Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha am Siebenbürgischen Museum (Instagram: kulturreferat_siebenbuergen) Gefördert durch: Bundesministeriums des Innern